Patrozinium
Dreitaltigkeitssonntag, 31. Mai 2026
Dreifaltigkeit 2026. Sonntag, 31. Mai 2026, Predigt
Als Patrozinium (lateinisch für ‚Beistand‘) wird die Schutzherrschaft eines Heiligen über eine Kirche bezeichnet. Ist eine Kirche nicht einem Heiligen, sondern einem Glaubensgeheimnis gewidmet, spricht man auch vom „Titularfest“. Es hat für die betreffende Kirche den liturgischen Rang eines Eigen-Hochfestes. Vereinfacht könnten wir auch sagen: Wir feiern heute den Geburtstag unserer Kirche und damit auch unserer Pfarrei Dreifaltigkeit. Deshalb möchten wir uns heute folgende Fragen stellen: Was für eine Kirche wollen wir heute sein? Welche Kirche soll die kommende Generation von uns er-halten? Zunächst besinnen wir uns und tragen unsere Sehnsucht nach dem ewigen, dreieinen Gott vor ihn selbst. Die Kirche ist nicht bloss ein Gebäude aus Stein und Beton und Glas; sie ist in erster Linie eine Gemeinschaft von Menschen, die Christus nachfolgen, sein Wort hören und kennenlernen möchten, und die seine Sakramente feiern, wie die Eucharistie, die Taufe, das Sakrament der Versöhnung und das Sakrament der Ehe. Heute möchte ich also von dieser Kirche sprechen, die wir alle zusammen bilden und wie wir sein möchten, oder idealerweise sind. Das christliche Leben hat Reformen und Missbräuche überlebt. Oder man kann sagen: Höhen und Tiefen gesehen und so manche Herausforderung überstanden. Verletzungen, heftige Auseinandersetzungen, ja manch eine Trennung später sind wir immer noch hier; weil Kirche nicht bloss eine Sache menschlicher Interessen ist. Auch heute ist die Kirche gefordert. Viele Menschen in der heutigen Zeit fühlen sich von ihr nicht mehr verstanden, nicht mehr in ihr aufgehoben, und wenden sich von ihr ab. Andere aber sind gerade wieder dabei, die Kirche zu entdecken, neues Interesse an ihr zu entwickeln. Was für eine Kirche also wollen wir heute sein? Welche Kirche soll die kommende Generation von uns erhalten? Da wir im Zeitalter des Überflusses leben stellen sich viele diese Fragen nicht, sondern beurteilen alles aus der Ich-Perspektive: Was bringt mir diese Kirche? Kann ich von ihren Angeboten profitieren? Sind die Gottesdienste für mich ansprechend genug? Gefällt mir die Musik? Ich finde, das greift etwas zu kurz. Es ist befremdlich. Die Kirche ist ja kein Vergnügungsbetrieb, kein Konzertveranstalter. Die Kirche – wie wir Theologen betonen – ist von Gott begründet und für den Menschen da, der Gott sucht. Man soll in ihr also ihn finden; ihm begegnen; ihn erahnen können. Das führt zu Gemeinschaften; zunächst mit Gott, dann aber auch mit gleichgesinnten Menschen. Wer aber christliche Gemeinschaft sucht muss die Fragerichtung umkehren und fragen: Was kann ich beitragen? Wie kann ich mich einbringen? Wie kann ich meine Talente für andere fruchtbar machen? Keine Ehe; keine Familie; keine Kirche und keine Gesellschaft kann funktionieren, wenn es immer nur um die Befriedigung der Interessen des Individuums geht. Es geht aber auch nicht bloss um Altruismus. Es geht um die Frage und nach dem bewusst gefällten Entscheid, mitzugestalten und aufbauen zu wollen. Und zwar gemeinsam. Die Kirche kann kein Selbstbedienungsladen sein. Das dürfen wir nicht zulassen. Sie muss Gottes Wesen abbilden: Und der nimmt nicht, der verschenkt sich selbst. Es freut mich daher sehr, dass seit letztem Sommer eine Spurgruppe unterwegs ist; ein gutes Dutzend Menschen aus unseren beiden Pfarreien, das sich bewusst entschieden hat, ihre Talente, ihre Gaben, der kirchlichen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Am 21. Juni, im Rahmen des Berggottesdienstes, erhalten sie von mir die Ernennung zu Mitgliedern des «PFARREI-RATS AD EXPERIMENTUM». Ich freue mich sehr, dass diese kleine Gruppe andere Zellen der Pfarreien stärken und zugleich reflektieren will: die Vorbereitungsgruppe für die Familiengottesdienste oder die Apero-Gruppen z.B. Aber sie gründen auch neue Initiativen, wie «Katholisch im Fokus», oder «Open Friday» um den Glauben zu vertiefen bzw. um sich niederschwellig untereinander zu vernetzen und auszutauschen. Es sind noch weitere Aktionen geplant. Sie gestalten unsere Kirche mit und dies ohne Lohn oder Entschädigung. Das hat Vorbildcharakter. Nicht alle können sich so einbringen. Aber je grösser die Anzahl jener wird, die auf diese Weise unsere Kirche mitgestalten, desto authentischer und erfüllter wird sie sein. Eine solche Kirche muss Gott gefallen: Sie lebt und belebt zugleich. Mit den Firmlingen haben wir vor einigen Wochen die Antike Hafenstadt Roms besucht: Ostia antica. Es hat mich beeindruckt, dass die meisten Menschen dort in vierstöckigen Mietshäusern gelebt haben. Aus Gründen der Sicherheit war es den Menschen verboten, Feuer in den Häusern zu machen. Sie konnten also zu Hause nicht kochen und warme Mahlzeiten zubereiten. So haben sie sich unterwegs mit warmem Essen versorgt: in Fastfoodläden und an Strassen-ständen. Ihre Wohnungen haben sie meist nur kurz besucht: um darin zu schlafen. Den grossen Hauptteil ihres Lebens haben sie ausserhalb ihrer eigenen vier Wände verbracht: Das muss ein intensives Gemeinschaftsgefühl gewesen sein, welches die Römerinnen und Römer verbunden hatte. Wir haben vorher einen Ausschnitt aus dem Johannes-Evangelium gehört. In dem nächtlichen Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus berührt dieser Text durch seine ein-malige Sicht auf das Leben Jesu: Wofür hat Jesus gelebt und was ist sein Auftrag? Es geht bei Jesus nicht um das Gericht und eine Verurteilung in der Welt, sondern um das Leben. Die Verurteilung wird Jesus dagegen selber erleiden. Sie geht nicht von ihm aus. Stattdessen tritt Jesus als der gute Hirte auf, der will, dass alle das Leben in Fülle haben. Im Evangelium wird es Jesus sein, der selber von sich sagt, dass er das Leben ist. Dieses Leben wird möglich in seiner Selbst-Hingabe. Jesus lebt nicht für sich allein, nicht auf Kosten anderer Menschen, sondern für andere Menschen. Es wird offenbar, wie von Gott zu reden ist: Gott will als Quelle, die Leben für die Welt schenkt, verstanden werden. Es ist dies eine Haltung der Lebensbejahung und der Fülle. Dies wird erfahrbar, wo Menschen die Erfahrung machen, geliebt, gewertschätzt und angenommen zu werden. Meine Lieben. Gott ist dreifaltig: drei Personen aber aus einem einzigen Wesen. Auch wir dürfen vielfältig sein aber geeint in der Liebe. In diesem Sinne: Happy Birthday!
Pascal Marquard